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Tor zur Rhön vor etwa 100 Jahren  Grußkarte ungefähr aus dem Jahre 1915     

Die Gute Alte Zeit

Die Wahrheit über uns Rhöner erfährt man manchmal aus der Geschichte und sehr oft aus alten Geschichten. Um die Jahrhundertwende des vergangenen Jahrhunderts herum - das Foto zeigt Ihnen das Tor zur Rhön als es noch auf Jahre hinaus keinen Namen besaß - war in fast allen Familien 'Schmalhans' der Küchenmeister. Doch zu festlichen Anlässen oder Zusammenkünften traf man sich in größerer Zahl beim 'Schoppenwirt'. Teuer war's nicht, aber unkommod. Vielleicht aber auch nicht. Denn die damalige Gaststätte hatte zum Beispiel schon sehr früh den gängigen Plumsklos (Wer weiß noch, was das ist??!!) 'Tschüss' gesagt und eine für damalige Verhältnisse richtig moderne Anlage im Nebengebäude installiert. Man musste zwar aus der Gaststätte raus und ein paar Meter laufen, geheizt waren die angesteuerten Örtklichkeiten natürlich auch nicht, aber viele Gäste fanden hier einen Komfort, den sie zuhause vergeblich suchten. Man stelle sich das vor: fließend Wasser! Auf'm Land! In'ner Rhön! Manno! Was das sagt? Wir sind bodenständig. Wenn ein bisschen Geld übrig bleibt, wird es dort investiert, wo wir leben und arbeiten. Und die Entscheidung von damals beweist: Geld stinkt nicht!

 

Die gute alte Reclame

Vergleichen wir linkes Foto mit rechter Postkarte, dann haut uns die trügerische Idylle im rechten Bild glatt um. Das glaubt ja keine Mensch! Da flanieren sonntäglich, großstädtisch gekleidete Bohémes durch den Ort, als sei es der Kudamm in Berlin. Zu allem Überfluss tuckert auch noch eine Luxuslimusine am Tor zur Rhön entlang, als hätte Kaiser Willhelm sein Domizil in die Nähe von Fulda verlegt. Aber der wahre Reklametrick offenbart sich im oberen, rechten Bildkreis: wandert dort doch nicht nur ein Stresemann befrackter Spazierstockschwinger verdächtig nahe an bäuerlichen Misthaufen entlang, nein: ein mindestens ebenso edel gekleidetet Paar flaniert geradezu seelenruhig über den ganz gewiss (!) von Jauche getränkten bäuerlichen Innenhof an der anderen Seite der Misthaufen entlang! Ja, ja, die Rhön. Schon damals war sie schön. Und um gesunde Landluft einzufangen, sind Städter einfach weit gegangen. Nee, näher ran, natürlich.

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